Ich habe beschlossen, den Winter zu lieben

Was bedeutet Winter für dich? Ist es für dich eine besinnliche Jahreszeit? Denkst du an gemütliche Abende vorm Kamin, an lange, romantische Winterspaziergänge im Schnee und Besinnlichkeit?

Oder ist der Winter für dich einfach eine unangenehme und dunkle Phase zwischen Herbst und Frühling? Eine Zeit, in der die Dunkelheit sich nicht nur in der Natur sondern auch in deinem Herzen und deiner Seele breit macht?

Oder ist es ein Pendeln zwischen diesen Polen?

Für mich ist es immer schon dieses Pendeln gewesen. In der Vorweihnachtszeit pendle ich zwischen Vorfreude auf Weihnachten und dem Stress, „gut genug“ zu sein. Habe ich an alle gedacht? Ist das Haus weihnachtlich geschmückt? Habe ich pünktlich zum ersten Advent einen Adventskranz fertig? Aber da sind auch die schönen besinnlichen Yogastunden mit meinen Teilnehmern, das Haus ist so gemütlich und ich kann ohne schlechtes Gewissen Spekulatius und Lebkuchenherzen naschen.

Weihnachten…. dieses Fest des Konsums, wo wir tagein tagaus durch Plakate, in den sozialen Netzwerken, in Radio- und Fernsehwerbung aufgefordert und nahezu angeschrien werden, zu kaufen und zu konsumieren. Ich merke, wie mir das ein wenig die Freude an Weihnachten nimmt und dann bin ich von mir selbst enttäuscht, dass ich mich nicht beseelter fühle in dieser Zeit. Ein ambivalentes Gefühl.

Nach Weihnachten habe ich das befreiende Gefühl, keine Erwartungen mehr in Punkto Weihnachten erfüllen zu müssen. Weihnachten ist unabänderbar vorbei und ich werde bis zum nächsten September, wenn im Supermarkt die Dominosteine locken, keinen Gedanken mehr an Weihnachten verschwenden. Aber nach Weihnachten scheint der Winter noch so lang und dunkel. 

Dieses Jahr habe ich beschlossen, den Winter zu lieben. 

Auch den Teil nach Weihnachten oder GERADE den Teil nach Weihnachten. Ich nehme mir ein Beispiel an der Natur. Die Natur ist ohnehin meine persönliche Religion. Ich bin fasziniert von den perfekt inszenierten und ineinandergreifenden Choreografien, die sich innerhalb der Natur im Laufe eines Jahres abspielen. Und ich möchte mich daran erinnern, dass ich ein Teil davon bin. Ich bin genauso ein Teil der Natur wie du, wie die Haselmaus, die Kröte, die Eiche und der Pilz. Auch wenn wir das in unserer Welt, die wir uns so gemütlich eingerichtet haben mit Fußbodenheizung, elektrischem Licht und Supermärkten, in denen wir ganzjährig Erdbeeren und Mangos kaufen können, häufig vergessen haben. 

Ich möchte den Matsch und das Dunkle nicht ablehnen. Auch den kalten Wind und die langen dunklen Nächte nicht. Ich möchte sie umarmen, denn wann, wenn nicht im Winter, kann ich mich zurückziehen und ausruhen? So macht es uns Mutter Erde doch auch vor. Wir sind Teil eines immerwährenden Kreislaufs von Geburt, Wachstum, Verfall, Tod, Regeneration und Erneuerung. Und auch die Phasen von Tod, Regeneration sind wichtig vor der Erneuerung! Auch wenn wir scheinbar nichts mehr mit dem Tod zu tun haben wollen und ihn verdrängen, wo wir nur können. Der Winter macht uns unsere eigene Endlichkeit bewusst.

Es beginnt im Herbst, wenn die Sonne nicht mehr so viel Kraft hat. Du kannst es dann ganz deutlich sehen: Die Bäume stellen langsam die Fotosynthese ein, Chlorophyll wird abgebaut und das strahlende Grün der Blätter verwandelt sich in die schönsten Rot-, Orange-, Gelb- und Brauntöne bevor sie abfallen und sich in fruchtbaren Humus verwandeln. Und an den Zweigen warten schon die Knospen auf das nächste Frühjahr.

Die Tiere bereiten sich auf den Winter vor, fressen sich eine Fettschicht an, lassen sich einen warmen Winterpelz wachsen, erstarren, senken ihre Körpertemperatur, suchen sich ein Winterquartier in fernen Ländern, stellen schon frühzeitig die Produktion von Nachwuchs ein und einige halten sogar Winterschlaf.

Stauden ziehen sich in ihre Wurzeln zurück aber unter dem Schnee und Matsch wartet das Leben nur darauf, dass das Rad des Lebens sich weiterdreht.

Wir Menschen tun so, als hätten wir einen immerwährenden Sommer. Wir behalten unseren normalen Rhythmus bei, schalten um 16:30 das Licht ein und stehen morgens um 6:00 Uhr auf und gehen unserem Tagwerk im künstlichen Licht nach.

 Aber vielleicht spürst du auch, dass du müder geworden bist? Dass du dich nach Rückzug sehnst, dass du dich am liebsten abends schon um 20:00 h in dein warmes Bett verkriechen willst und den Tag morgens langsamer beginnen möchtest? Vielleicht wehrst du dich standhaft dagegen und kommst dadurch in eine unangenehme, depressive Stimmung? Vielen geht es leider so. Auch ich bemerke, dass ich gut auf mich Acht geben muss in dieser Zeit.

Ich habe mir vorgenommen, die Dunkelheit zu lieben und zu umarmen. 

Sie ist sowieso da: Wenn ich morgens aufwache und es noch dunkel ist, bin ich noch halb in meinen Träumen, halb in der Realität. Es ist, als ob mich die Nacht noch umarmt und mein stets wertender Verstand mir noch einige Momente Ruhe gibt, bevor er sich wieder in den Vordergrund drängt, plant, verwirft, sich sorgt und "wichtigerer" Dinge erinnert. Er lässt mir noch diese süßen Minuten - wenn ich Glück habe, eine halbe Stunde oder mehr - Ruhe für Innenschau, aber auch für die Aufnahme von Wissen und für Kreativität. In diesen Stunden der Dunkelheit, ob am Abend oder am Morgen, können meine Gedanken frei fließen und gehen Hand in Hand mit meinen Gefühlen. Auch fällt es mir dann leicht, diese Gedanken klar zu formulieren. Leider bin ich dann bisher meistens zu faul gewesen, diese Gedanken aufzuschreiben. Dieser Blog ist der Versuch, das zu ändern.

Die Abwesenheit von Licht im Winter lässt neue Perspektiven zu. Sich vom Außen nach innen zu wenden, scheint leichter. Und dieses Nach-Innen-Wenden kommt doch viel zu kurz, findest du nicht? Unsere inneren Antennen lauschen stets weit nach draußen in unseren irdischen Trubel hinein. Ich frage mich, warum viele von uns das so exzessiv tun, obwohl wir doch merken, dass es uns teilweise nicht guttut, stundenlang schicke Reels von wunderschönen Menschen auf Insta zu schauen, deren Darstellung häufig mit ihrem realen Leben nichts zu tun haben.

Weil wir nichts verpassen wollen? FOMO (Fear of Missing Out)? Weil wir stets checken müssen, ob wir noch dazu gehören, ob wir die neuesten Infos, die neueste Mode, dem Mainstream noch folgen können? Ob wir gut genug sind?

Wie wäre es, wenn wir die Zeitqualität des Winters nutzen um unsere Antennen öfter nach Innen richten, so wie die Natur es uns vormacht? Uns diese Auszeit gönnen, die dunklen Stunden nutzen, ein gutes Buch zu lesen, uns inspirieren zu lassen, zu basteln, handarbeiten, werkeln oder malen? Oder selbst einen Wintervorrat anzulegen? 

Ich weiß nicht, was du brauchst im Winter. Vielleicht einen Vorrat an guten Büchern? Vielleicht einen Vorrat an Stiften und Papier, um deine Gedanken aufzuschreiben? Vielleicht einen Vorrat an Tee oder Schokolade? Oder ein Fernglas, damit du an kalten Wintertagen die Vögel an deinem Vogelhaus genauer betrachten kannst? Vielleicht diese ein, zwei wirklich guten Freunde, denen du deine Schwächen, deine heimliche Freude aber deine Einsamkeit anvertrauen kannst?

Vielleicht nutzt du diesen Winter dazu, dir dessen bewusst zu werden, was du brauchst und dir selbst diese Auszeit der Ruhe und Innenschau zu schenken.

Lass uns den Winter umarmen und uns tief in seine gemütliche, regenerierende Dunkelheit kuscheln, das nächste Frühjahr wird unabdingbar kommen.

Schreibe mir sehr gerne eine E-Mail mit deinen Gedanken, wenn du magst. Ich freue mich, von dir zu lesen.

 

Aila

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